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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 25.7.2016 Drucken

Beruf, Geld und Bildung beeinflussen Lebenslänge

Eine neue Studie zeigt auf, wie sich die Berufsgruppe, das Einkommen und der Bildungsgrad auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen auswirken.

Sicherlich lebt ein gutsituierter Akademiker länger als ein malochender Arbeiter mit niedrigem Bildungsabschluss. Bisher ließ sich jedoch die Höhe der durchschnittlichen Lebenserwartung in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nicht benennen. Die hierfür benötigten Daten lagen schlichtweg nicht vor.

Beruf, Geld und Bildung beeinflussen LebenslängeDaher entwickelten Marc Luy, Christian Wegner-Siegmundt und Angela Wiedemann vom Vienna Institute of Demography sowie Jeroen Spijker vom spanischen Centre d‘Estudis Demogràfics ihre eigene Methode. Diese ermöglichte es, die Lebenszeit für typische Bevölkerungsgruppen auf Basis von Survey-Daten mit Sterbeinformationen zu bestimmen. Im Fokus ihrer Studie stand der Einfluss der Bildungsgruppe, der beruflichen Stellung sowie des Haushaltseinkommens auf die durchschnittliche Lebenserwartung.

Augen auf bei der Berufswahl

Einen enormen Einfluss auf die Lebenserwartung haben laut Studie die Höhe des Einkommens, die Bildung sowie die Art des ausgeübten Berufs. Besonders deutlich wird dieser Unterschied, wenn sich relativ kleine Gruppe genau definieren lassen, wie zum Beispiel die Gruppe der Bergarbeiter. Im Alter von 40 Jahren haben sie durchschnittlich noch 26 Jahre zu leben. Beschäftigte im Dienstleistungsbereich haben hingegen weitere neun Jahre mehr zur Verfügung.

Konkretisiert man diese Berufsgruppe weiter – auf Dienstleister im Bildungsbereich – werden diese Unterschiede noch deutlicher. So können 40-jährige Lehrer und Sozialarbeiter mit weiteren 40 Jahren Lebenszeit rechnen. Im Vergleich zu Bergarbeitern werden sie 14 Jahre älter. Solchen drastischen Unterschieden in der Lebenserwartung begegnet man sonst nur bei der Betrachtung von verschiedenen Lebensbedingungen, wie bei einem Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Die Wissenschaftler führen weiter an, dass neben der Berufsgruppe auch die berufliche Stellung einen großen Einfluss auf die durchschnittliche Lebenserwartung hat. Ob einfacher Arbeiter, Selbstständiger oder Beamter – es beeinflusst die Lebenszeit. Die Lebenserwartung eines Beamten mit 40 Jahren steigt auf weitere 36 Jahre. Arbeiter können dagegen auf lediglich 32 Jahre mehr Lebenszeit hoffen.

Hingegen sind bei Frauen die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen sowie den beruflichen Stellungen vergleichsweise geringer, aber dennoch statistisch nachweisbar. Während einfache Arbeiterinnen im Alter von 40 Jahren bereits die Hälfte ihres Lebens hinter sich gebracht haben, dürfen Beamtinnen im Schnitt noch sieben Jahre länger leben. Diese Lebenserwartung wird nur noch von Unternehmerinnen überboten, die sogar 90 Jahre erreichen.

Die Forscher verdeutlichen durch diese Ergebnisse, dass die berufliche Stellung und die Berufsgruppe ein guter Indikator für die gesellschaftliche Ungleichheit in der Lebenserwartung sind, da sie auch mit dem Einkommen und der Bildung zusammenhängen.

Weniger Geld gleich weniger Leben

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass neben der Berufswahl auch das Haushaltsnettoeinkommen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. So beträgt der Unterschied in der Lebenszeit zwischen dem niedrigsten (weniger als 895 Euro) und dem höchsten (mehr als 1.917 Euro) Haushaltsnettoeinkommen bei Frauen gut vier Jahre. Bei Männern macht diese Differenz sogar fünfeinhalb Jahre aus.

Lernt um euer Leben

Ebenso hat auch der Bildungsstand Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Studierte Frauen und Männer, die ihr 40. Lebensjahr erreicht haben, werden im statistischen Durchschnitt 83 Jahre beziehungsweise 78,3 Jahre alt. Frauen, die ein Abitur besitzen, jedoch über kein abgeschlossenes Studium verfügen, leben fast zwei Jahre weniger als Akademikerinnen. Bei Männern mit dem gleichen Bildungstand sind es sogar über vier Jahre weniger. Frauen mit einem Realschulabschluss und einem geringen Bildungsstand werden im Vergleich sogar nur 80,7 und Männer nur 72 Jahre alt.

Die Studie zeigt auf, wie unerwartet groß die Schere in der Lebenserwartung selbst in einem so hoch entwickelten Land wie Deutschland ist und wie sehr einige Bevölkerungsgruppen dabei benachteiligt sind.

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