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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 5.12.2018 Drucken

Altersrekord: Wie alt können wir werden?

Vor etwas über 20 Jahren, im Jahr 1997, starb mit der Französin Jeanne Calment der bis dato älteste Mensch der Welt. Sie erreichte ein geradezu „biblisches“ Alter von 122 Jahren – ein Altersrekord, der immer noch Bestand hat.

Als Madam Calment im Jahr 1875 in Arles geboren wurde, lebte dort noch ein Maler namens Vincent van Gogh. Ihm soll sie nach Überlieferungen sogar einmal persönlich begegnet sein. In der Hauptstadt Paris stand der Eiffelturm noch nicht. Die großen Kriege standen noch bevor. Madam Calment erlebte, wie sich Frankreichs Gesellschaft wandelte, nach dem Fin de Siècle kam die Belle Époque. An ihrem 120. Geburtstag gestand sie lächelnd, immer noch gern ein Glas Portwein zu trinken, aber das Rauchen habe sie nach 100 Jahren aufgrund ärztlichen Anratens aufgegeben. Die statistische Lebenserwartung zum Zeitpunkt ihrer Geburt hat sie bei Weitem überlebt.

Gene und individuelle Lebensweise entscheidend

Im Laufe der vergangenen 100 Jahre hat sich die globale Lebenserwartung fast verdoppelt – auf durchschnittlich 81 Jahre. Deutschland liegen noch darüber. Heute geborenen Jungen prognostiziert die Statistik hierzulande ein Alter bis zu 90 Jahren und einem Mädchen sogar bis zu 93 Jahre Lebenszeit. Dafür ist nicht in erster Linie die genetische Disposition entscheidend. Renommierte Altersforscher wie Sven Voelpel gehen davon aus, dass unsere Gene höchstens zu 30 Prozent unser mögliches Alter determinieren. Wesentlich einflussreicher sind Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen.

älteste Menschen der WeltEbenso prägend ist das Umfeld. So sorgen hohe hygienische und medizinische Standards, stabile soziale Verhältnisse wie gesellschaftlicher Wohlstand und vor allem gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung für ein längeres Leben. Das gilt zumindest für die Mehrzahl der  Industriestaaten. Dort erreichen immer mehr Menschen ein Lebensalter jenseits eines Jahrhunderts. Altersforscher schätzen die Zahl dieser sogenannten „Supercentenarians“ (Menschen, die älter als 110 Jahre sind) derzeit auf rund 400 weltweit.

Die ältesten Deutschen

Einer von ihnen ist 1905 im pommerschen Stettin auf die Welt gekommen: Gustav Gerneth ist jedoch nicht nur ein deutscher Supercentenaria. Derzeit ist er auch der noch älteste lebende Deutsche sowie der wohl bisher älteste deutsche Mann aller Zeiten und belegt den zweiten Platz auf der Liste der ältesten lebenden Männer weltweit. Allerdings sind seine Lebensdaten nicht einschlägig verifiziert. Älteste Deutsche war Augusta Louise Holtz, die 1871 in der Provinz Posen geboren wurde und bis 1990 den Altersrekord des höchsten erreichten Lebensalters eines Menschen hielt. Kurz nach ihrer Geburt wanderte die Familie in die Vereinigten Staaten aus. Dort starb Frau Holtz 1983 in Missouri. Somit war sie zwar auf deutschem Boden geboren worden, aber nach der familiären Emigration Amerikanerin geworden. Erstaunlich zumindest ist, dass nahezu alle besonders langlebigen Deutschen aus jener Epoche eher in den östlichen Provinzen Deutschlands geboren wurden.

Besteht eine biologische Grenze?

US-Forscher sahen die maximale Lebensspanne bei 125 Jahren. Doch dieser These haben israelische Wissenschaftler unlängst widersprochen. Sie gehen davon aus, dass Menschen in Zukunft noch deutlich länger leben könnten. Mit ihren Forschungsergebnissen prognostizieren sie für den Menschen ein Lebensalter bis zu 140 Jahren. Das ist nahezu eine komplette Generationsfolge mehr. Ein neuer Altersrekord stünde damit in Aussicht. Diese Theorie basiert auf Daten des Centers for Disease Control and Prevention und der Human Mortality Database zur menschlichen Sterblichkeit in den Jahren 1900 bis 2010. Hinzu kommen Ergebnisse aus Versuchen mit Tieren wie Mäusen, Ratten und Fliegen.

Gibt es ethische Bedenken?

Dabei ist es gelungen, mit gezielten Veränderungen der Ernährung, mit gentechnischen Eingriffen und medikamentöser Behandlung die maximale Lebensspanne um bis zu 30 Prozent zu steigern. Zudem erlebten die behandelten Tiere weniger altersbedingte Krankheiten wie Diabetes. Insgesamt geben die Befunde laut den Forschern deutliche Hinweise darauf, dass ähnliche Eingriffe beim Menschen die durchschnittliche und maximale Lebenserwartung deutlich steigern könnten. So bilanziert die Studie dann auch: „Wenn wir die Alterungsprozesse direkt angehen, werden wir die Grenze von 120 (Jahren) überschreiten.“ Inwieweit derartige Forschung oder zukünftige Therapien an ethische Grenzen stoßen, kann noch nicht abgeschätzt werden.

Was bringt ein ultralanges Leben mit sich?

Doch wie verlockend wäre dieses faktisch an Methusalem erinnernde Alter für uns Menschen? Was würde es mit uns „machen“? Welche Folgen könnten damit verbunden sein? Die wohl wichtigste Frage wäre, in welchem Maße unsere Lebensqualität mit der steigenden Lebenserwartung Schritt hält. Schließlich wünscht sich wohl niemand, lediglich alt zu werden. Ein zwar durchaus altersgemäßer, aber eben weitgehend auf geistiger wie körperlicher Beweglichkeit beruhender Lebensabend ist uns besonders wichtig. Damit rücken zahlreiche gesundheitspolitische Aspekte in den Fokus: ärztliche Versorgung (auch auf dem Lande), Pflegeformen und familiäre Belastbarkeiten in der Altersversorgung zum Beispiel.

Neue Rentenformeln oder Rentenmodelle müssten her

Auch für die Lebensarbeitszeit und Absicherung der Renten ergäben sich neue Herausforderungen. Welche Berufsbilder könnten über derart ultralange Arbeitszeitphasen noch passen? Wie lange müssten zukünftige Rentner arbeiten, damit die sozialen Sicherungssysteme nicht kollabieren? Welche Auswirkungen hätten zukünftig immer mehr ältere Verkehrsteilnehmer? Wie stünde es um die Generationengerechtigkeit? Zum Beispiel, wenn es im Zuge von Wahlen und politischen Wahlversprechen zu Interessenskonflikten zwischen den noch weiter auseinanderliegenden Generationen käme?

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