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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 18.11.2019 Drucken

Ältere sind besonders einsam

Viele Faktoren, die Einsamkeit begünstigen, treffen besonders auf Ältere zu. Mit 75 Jahren steigt der Anteil einsamer Personen kontinuierlich an.

Immer mehr Senioren leben allein oder in Heimen. Einsame Menschen sind jedoch weniger gesund, häufiger depressiv und früher pflegebedürftig. Das wiederum verursacht enorme Kosten. Doch wer genau ist betroffen und wie kann das Problem entschärft werden?

Ältere sind besonders einsamMit diesen Fragen beschäftigt sich ein aktuelles Papier der Körber-Stiftung und des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Darin tragen die Autoren Faktoren, Trends und Empfehlungen gegen soziale Isolation im Alter aus verschiedenen Studien zusammen. Ergebnis: Durch die demografische Entwicklung wird es in Zukunft immer mehr Senioren geben, die an Einsamkeit leiden.

Dennoch kann nicht von einer Volkskrankheit oder einem Massenphänomen gesprochen werden. So stellen in Deutschland Frauen und Männer, die Einsamkeit während der Rentenphase erleben, eine Minderheit dar. In der Altersgruppe von 60 bis 80 Jahren sind je nach Studie zwischen sechs und elf Prozent betroffen. Allerdings sind Menschen über 85 kaum oder gar nicht in Untersuchungen enthalten. Ähnlich schlecht dokumentiert sind Aussagen von Heimbewohnern. Gerade in dieser Lebensphase jedoch ist die Isolation am größten. Das zeigt die nicht repräsentative Generali Hochaltrigkeitsstudie. Dort gibt rund jeder Dritte der 85- bis 89-Jährigen an, unter Phasen der Einsamkeit zu leiden. Mit dem Alter steigen die Zahlen erheblich. So fühlt sich unter den 90- bis 94-Jährigen schon jeder Zweite betroffen. Bei den über 95-Jährigen sind es dann mit knapp 60 Prozent weit mehr als die Hälfte.

Diese Faktoren sorgen für Einsamkeit

Ursache für den rapiden Anstieg im hohen Alter sind laut dem Körber-Papier sechs Aspekte. Ein geringer Bildungsstand ist einer dieser lebenslangen Einsamkeitsfaktoren (Aspekt 1). Befragte mit niedrigem Bildungsstand fühlen sich rund doppelt so häufig einsam wie besser Gebildete. Menschen mit höheren Schul- und Studienabschlüssen gelingt es in der Regel, ein größeres soziales Netzwerk aufzubauen. Zudem wirkt Bildung indirekt auch auf das Risiko, im Alter Geldsorgen zu haben, da Geringqualifizierte während des Berufslebens schlechter verdienen. Armut ist jedoch ein weiterer Multiplikator von Einsamkeit (Aspekt 2). Mit geringem Einkommen sinkt ebenso die Anzahl sozialer Kontakte. Es fehlt den Betroffenen an finanziellen Mitteln, um zum Beispiel Sportkurse zu besuchen oder sich mit Freunden im Café zu verabreden. Darüber hinaus ist das Vermögen in der Rentenzeit kaum noch veränderbar, was zusätzlich frustriert.

Körperliche Einschränkungen machen einsam

Ein weiteres Problem, was insbesondere Hochaltrige trifft: gesundheitliche Beschwerden (Aspekt 3). Die problematische Hüfte, die den Schwimmkurs verhindert, das nachlassende Gehör, dass vom Telefonieren abhält, oder die verminderte Sehkraft, die vor dem Autofahren abschreckt – Krankheit isoliert. Wer aber regelmäßig aus dem Haus geht, kommt automatisch leichter unter Menschen. Dabei reicht es, sich täglich eine kleine Aufgabe zu setzen, sei es der Einkauf oder ein Besuch beim Arzt. Wer jedoch nicht mobil ist, kann auch nicht teilhaben und vereinsamt somit schneller (Aspekt 4). Senioren sind aber immer auf kurze Wege und eine gute Verkehrsanbindung angewiesen. Wer auf dem Land lebt, bekommt also schnell Probleme.

Für Ältere ist außerdem der Ehepartner ein wichtiger Schutz vor dem Alleinsein. Ist kein zusätzlicher Freundeskreis vorhanden, vereinsamen viele Verwitwete nach dem Verlust des Partners. Frauen sind davon besonders betroffen, da sie im Schnitt länger leben und jünger sind als ihre Ehemänner. Alleinstehende leiden somit häufiger an Einsamkeit als Mehrpersonenhaushalte (Aspekt 5). Aber es erreichen immer mehr Menschen die Rentenzeit ledig, geschieden und ohne Kinder. Hochgebildete haben zudem öfter Kinder, die weit entfernt leben. Familiäre Aufgaben werden für viele Senioren daher zur Ausnahme. Weniger als ein Drittel der Großeltern sind heutzutage in die Betreuung der Enkelkinder eingebunden. Allerdings stellt auch der Mangel an sinnvollen Aufgaben ein erhöhtes Einsamkeitsrisiko dar (Aspekt 6).

Ministerium für Einsamkeit bald auch in Deutschland?

Armut, Krankheit, geringe Bildung, aber auch digitaler Analphabetismus und wenig freiwilliges Engagement drängen Menschen an den Rand der Gesellschaft. Betroffen sind jedoch nicht nur Senioren. Soziale Isolation ist ein Problem über alle Altersgruppen hinweg. Um dem entgegenzuwirken, ernannte im letzten Jahr die britische Regierung ein Einsamkeitsministerium. Seitdem beeinflusst das Thema verschiedene Bereiche wie Gesundheit, Bildung, Wohnen, Wirtschaft oder Transport. Ein neu geschaffener Etat steht den Briten für Präventionsmaßnahmen wie der Errichtung von Gemeinschaftsorten zur Verfügung. In den sozialen Medien werben Menschen dafür, wieder aufeinander zuzugehen. Solche nationalen Maßnahmen wünschen sich auch die Körber-Stiftung und das Berlin-Institut. Damit würde es den deutschen Kommunen erleichtert, lokal etwas gegen Einsamkeit zu unternehmen.

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