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28.07.2007

Altersvorsorge ist wichtig und trotzdem herrscht Zögern in der Bevölkerung
 

Um Altersvorsorge drückt man sich gern. „Trägheit ist nun mal schwer in den Griff zu bekommen", sagt Prof. Dr. Thomas Langer. Der Betriebswirt lehrt an der Universität Münster und ist seit kurzem der Leiter einer neu gegründeten Forschungsgruppe des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).
Einer Expertengruppe, die von Münster aus untersucht, warum trotz besserer Erkenntnis große Teile der Bevölkerung keine oder zu wenig private oder betriebliche Altersvorsorge betreiben. Offiziell läuft diese verhaltensorientierte Forschung unter "Behavioral Finance". Ursachenforschung, die helfen könne, das in der Bevölkerung verbreitete Zögern zu überwinden, sagt Langer.

Finanzielle Absicherung Hatte sich das DIA seit seiner Gründung 1997 bislang auf Informationen und Statistiken zum demografischen Wandel und daraus resultierender Rentenlücke konzentriert, geht es jetzt um die Gründe für die zögerlichen Finanzentscheidungen. „Wir wollen verstehen, wie man die Leute dazu bewegen kann, sich stärker um die eigene finanzielle Absicherung zu kümmern", sagt Langer.
Effiziente Anreize aus der Politik, Motivation aus eigenen Stücken das alles sind Aspekte, die beim Spar und Anlageverhalten generell eine große Rolle spielen. „Mit der neuen Forschungsgruppe arbeiten wir somit an Fragen, die auch gesellschaftspolitisch hoch relevant sind."
Auf erste Erkenntnisse aus vergangenen Jahren, in denen Langer bereits ausgiebig zudem Thema geforscht hatte, kann das Expertenteam zurückgreifen. Studien zeigten zum Beispiel, wie sehr Menschen von Gewohnheit und Trägheit beeinflusst werden. „Haben sie sich für eine Anlage entschieden, wird danach kaum nochmal gewechselt, auch dann nicht, wenn das problemlos möglich und auch vernünftig wäre." Zum Teil finden sich auch sehr überraschende Erkenntnisse: „Weniger Angebot führt häufig zu einer größeren Handlungsbereitschaft", sagt Langer. Gerade die Vielzahl der Alternativen lässt Menschen vor Entscheidungen zurückschrecken. Vernünftiges Angebot
„Besser ist es, nur wenige, vernünftig strukturierte Anlageprodukte zur Auswahl vorzugeben." Die von Verbraucherschützern geforderten „vielfältigen Auswahlmöglichkeiten" seien zumindest aus verhaltensorientierter Sicht nicht immer sinnvoll. Seiner Meinung nach solle man sich generell von der Illusion lösen, alle Bürger würden in Finanzfragen selbstständig die für sie richtigen Entscheidungen fällen. „Mehr Freiheit führt nicht unbedingt zu besseren Lösungen", sagt Langer. Im Gegenteil, viele begingen gerade dann schwerwiegende Fehler. „Mit allzu vielen Freiräumen tut man nicht allen Menschen etwas Gutes, zumindest nicht bei Vorsorgeentscheidungen."

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