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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 22.11.2016 Drucken

Das Internet stoppt nicht an den Toren der Versicherer

Ob und inwieweit auch die Versicherungsbranche ähnliche Umbrüche durch das Internet und die Digitalisierung erlebt wie zum Beispiel die Musikindustrie, das Verlagswesen oder der Einzelhandel, ist ein umstrittenes Thema.

Bislang machten allenfalls Online-Makler wie Knip oder Clark von sich reden, mit eher mäßigem Erfolg. Rogier Minderhout, ehemals Investmentbanker und als Gründer von myPension selbst Teil der Insurtech-Szene, meint, das müsse sich ändern. Seine provokanten Feststellungen werden in der traditionellen Welt der Versicherer ohne Frage Widerspruch auslösen.

Die Altersvorsorge braucht Ihrer Meinung nach neue Strukturen, weil die alten Modelle ausgedient hätten. Was veranlasst Sie zu dieser provozierenden Feststellung?

Rogier Minderhout myPensionDie Schwächen sind offensichtlich. Die Produkte sind intransparent, überteuert und das Geld wird falsch angelegt. Dadurch sind Schäden in Milliardenhöhe entstanden. In der Folge ist die private Vorsorge in Deutschland komplett unzureichend, um den Rückgang der staatlichen Vorsorge aufzufangen. Andere Länder wie die Niederlande oder die Schweiz haben da viel besser vorgesorgt.

Ein Blick auf die sogenannten Insurtech, also die neuen Unternehmen aus der digitalen Welt, zeigt eines: Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Distribution. Genügt das schon, um die bisherige Versicherungswelt spürbar zu verändern?

Nein, das ist alter Wein in neuen Schläuchen. Die Produkte sind genauso intransparent und ineffizient wie früher. Zudem lassen sich die Insurtech-Portale die Vermittlung genauso teuer bezahlen. Ein digitalisiertes Angebot sieht anders aus. Es muss verständlich, flexibel und transparent sein. Nur so lässt sich das Vertrauen der Kunden gewinnen, das für einen Online-Abschluss Voraussetzung ist. So haben wir myPension konzipiert.

Airbnb ist mächtig geworden, weil es die Hotels in ihrem Kerngeschäft angegriffen hat und nicht nur den Vertriebskanal der Reisebüros. Warum gibt es bislang noch keinen ernsthaften digitalen Konkurrenten in der Assekuranz? Eignet sich das Versicherungsgeschäft nicht für disruptive Veränderungen?

Natürlich – das Internet stoppt nicht an den Toren der Versicherer. Jedoch ist die Branche sehr stark reguliert. Denken Sie an das Versicherungsvertragsgesetz, Solvency II usw. Diese Regulierung stellt für ein Internet-Start-Up erst mal eine hohe Eintrittshürde dar. Das ist nicht wie bei Zalando, wo man mal 20 Damenschuhe online gesetzt hat, um zu schauen was passiert. In der Versicherungsbranche ticken die Uhren schon etwas langsamer, aber auch hier steht die Zeit nicht still.

„Die Branche wird sich massiv ändern müssen“

Altersvorsorge ist beratungsintensiv, wird von den Verkäufern dominiert und nicht von den Käufern, daher tun sich Online-Anbieter schwer. So lautet die Argumentation der traditionellen Anbieter. Das seit Jahren eher stagnierende Geschäft der Direktversicherer scheint ihnen Recht zu geben. Existieren also tatsächlich Grenzen für die Digitalisierung im Vorsorgegeschäft?

In ihrem Direktgeschäft haben die Versicherer nur bestehende Produkte online gesetzt. Sonst ist in Sachen Verständlichkeit, Flexibilität und Transparenz nicht viel passiert. Die Branche hat doch gar kein Interesse an solchen Angebote. Man würde seinen eigenen Vertrieb überflüssig machen. Immerhin mag es sein, dass bestimmte Kundengruppen sich eine persönliche Beratung wünschen. Dafür bezahlen sie momentan aber einen sehr hohen Preis, in der Regel ohne das zu wissen.

Was wird sich Ihrer Auffassung nach in den nächsten zehn Jahren in der Altersvorsorge ändern? Wird es mal ein Amazon der Altersvorsorge geben? Wie müsste ein solcher Mitspieler in der Vorsorgebranche aussehen?

In den kommenden zehn Jahren wird sich die Branche massiv ändern müssen. Niedrige Zinsen, Druck auf das Vertriebsmodell aus der EU, brüchige Erwerbsbiografien, Digitalisierung usw. erfordern neue Modelle. Dabei wird das Internet eine zentrale Rolle spielen. Hierüber lassen sich transparente und flexible Angebote zu günstigen Konditionen anbieten. Eine Beratung kann dann telefonisch, mittels Videochat oder vor Ort stattfinden. Das werden dann wohl neue Unternehmen darstellen. Ich sehe nicht, wie ein bestehender Versicherer das mit seinen vorhandenen Strukturen schaffen könnte.

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