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08.08.2006: Eigenheim als Altersvorsorge
Was Deutschland von seinen europäischen Nachbarn lernen kann


Trotz jahrzehntelanger Förderung verharrt die Wohneigentumsquote in Deutschland bei etwas über 40 Prozent - und rangiert damit weit hinten im europäischen Vergleich. Was machen andere Länder besser? Die aktuelle DIA-Studie „Eigenheimförderung in Europa" fordert neue Weichenstellungen von Politik, Anbietern und Baufinanzierern.

Von zehn Haushalten wohnen in Spanien und Irland acht, in Großbritannien und USA sieben, aber in Deutschland und der Schweiz nur rund vier Haushalte in den eigenen vier Wänden. Die Unterschiede erklären sich nicht durch bessere Subventionssysteme. „Insgesamt haben die Subventionen für Wohneigentümer in den meisten Ländern keine signifikante Auswirkung auf die Wohneigentumsquote gezeigt", so Ulrich Pfeiffer vom Forschungsinstitut empirica und Co-Autor der vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Auftrag gegebenen Untersuchung. „Die erheblichen Abweichungen erklären sich fast ausschließlich aus unterschiedlichen Angebotsbedingungen."

Bauen in Deutschland zu teuer
Wer in Deutschland Wohneigentum erwerben will, muss dafür fünf bis sechs Jahresnettoeinkommen aufbringen (West: 7,7; Ost: 4,3), was bei jungen Ersterwerbern sogar sechs bis acht Jahresnettoeinkommen entspricht. Zum Vergleich: In den USA reichten lange Jahre zwei bis drei, in Großbritannien drei bis viereinhalb Jahresnettoeinkommen für den Kauf der eigenen vier Wände.

Baulandverknappung hält Preise oben
Ein Kernproblem ist die planerisch gewollte Verknappung von Bauland durch die Kommunen. Deshalb fordert die DIA-Studie eine ausreichende Bereitstellung und verweist auf die positiven Folgen beispielsweise in Holland: Dort sorgten bis 1990 gerade günstige Baulandpreise und einfache Bauweisen (Gesamtkosten: zwei bis drei Jahresnettoeinkommen) für einen regelrechten Bauboom und einen deutlichen Anstieg der Wohneigentumsquote. Seither führte die Baulandverknappung zu hohen Preissteigerungen bei sinkender Bautätigkeit.

Flexible Eigenheimangebote
In Großbritannien ist zu beobachten, dass ein reichhaltiges Angebot an Einfamilienhäusern und kleinen Häusern eine hohe Eigentumsquote begünstigt. In Deutschland hingegen dominieren im historischen Bestand der Städte die Geschoßwohnungen. Es gibt zu viele kleine Wohnungen in großen Häusern, während die Nachfrager große Wohnungen in kleinen Häusern suchen.

Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen
Gleichzeitig wurden in Großbritannien im Rahmen der Thatcher-Reform viele mietpreisgebundene Bestandswohnungen an Mieter verkauft und die Wohneigentumsquote dadurch erhöht. Wegen des hohen Mieterschutzes wird diese Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in Deutschland erheblich erschwert. Unter den Bedingungen der Alterung der Bevölkerung und des Alterssicherungseffektes von Wohneigentum sollten diese Restriktionen dringend überprüft werden.

Neue Finanzierungssysteme
Ein weiteres Hindernis bilden die starren Finanzierungssysteme. Sie blockieren gerade in Ländern mit hohen Objektpreisen (Österreich, Deutschland, Schweiz) den Erwerb von Wohneigentum. Hohes Eigenkapital, nämlich ein bis zwei Jahresnettoeinkommen und circa 25 Prozent der Bau- bzw. Kaufsumme (Holland oft Null Prozent) und damit verbunden ein langes Vorsparen und Konsumverzicht schließt junge Haushalte lange vom Immobilienerwerb aus. Eine Lösung könnten Hypothekenversicherungen wie die holländischen Garantiefonds sein, die insbesondere untere Einkommensgruppen begünstigen. Sie decken Hypothekenschulden für den Fall einer drohenden Zwangsversteigerung ab und ermöglichen Finanzierungen bis zu 100 Prozent des Verkehrswertes.

Integration in die geförderte Altersvorsorge
Außerdem fordert die DIA-Studie die Integration des Wohneigentums in die geförderte private Altersvorsorge (Riesterrente und betriebliche Altersvorsorge). „Die privaten Haushalte in Deutschland sind nämlich bei keiner anderen Langfristinvestition zu ähnlich hohem Konsumverzicht bereit wie für das selbst genutzte Wohneigentum. Deswegen ist der Vermögenseffekt von Wohneigentum größer als die eingesparte Mietzahlung", betont Co-Autor Dr. Reiner Braun (empirica). Zum Eintritt in den Ruhestand können Selbstnutzer neben ihrer Immobilie auch noch auf ein Geldvermögen von fast 17 Monatseinkommen verweisen, Mieterhaushalte dagegen haben nur ein Geldvermögen von zehn Monatseinkommen. Die Unterschiede erklären sich durch niedrige Wohnkosten der Selbstnutzer, denen nach den Jahren mit hohen Zins- und Tilgungsbelastungen ein höheres verfügbares Einkommen nach Wohnkosten zur Verfügung steht. Außerdem lässt sich bei Eigentümern ein disziplinierteres Konsum- und Sparverhalten als bei Mietern nachweisen.

Die Doppelbelastung aus Sparen für die geförderte Altersvorsorge und Ansparen bzw. Tilgungssparen für das Wohneigentum überfordert insbesondere Schwellenhaushalte, in erster Linie junge Familien aus den unteren und mittleren Einkommensklassen.

„Ein ganzes Maßnahmenbündel ist notwendig, um die Wohneigentumsquote in Deutschland deutlich zu steigern und damit die dringend notwendigen Vermögen für die private Altersvorsorge aufzubauen", resümiert DIA-Sprecher Bernd Katzenstein.

Die Studie „Eigenheimförderung in Europa – was Deutschland von anderen Ländern lernen kann" kann unter www.dia-vorsorge.de angefordert werden.

Für Rückfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an DIA-Sprecher Bernd Katzenstein, Telefon: 0221 / 923 94-2 oder per E-Mail an katzenstein@dia-vorsorge.de.

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Frauen und ihre Altersvorsorge

Auswirkungen der ökonomischen Emanzipation
August 2010, 168 Seiten
Preis: 10,- EURO


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